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Das Borkumer Wassermuseum, Erlebnis- und Bildungszentrum: B:WEB


Inhaltliches Konzept


Der Wasserturm als Baudenkmal

Der Borkumer Wasserturm (im Borkumer Platt „Watertoorn“) thront als wuchtiger neoromanischer Backsteinbau seit 1900 auf seiner Düne. In den 1970er Jahren aber büßte er seine Funktion für die Wasserversorgung auf der Insel ein und verkam als „Wasserturm ohne Wasser“ zu einem baufälligen Denkmal.

Der Verein Watertoorn Börkum e.V.

2007 schlossen sich engagierte Menschen auf der Insel zu dem gemeinnützigen Watertoorn Börkum e.V. mit inzwischen (im April 2021) über 470 beitragszahlenden Mitgliedern zusammen, pachteten das verfallene Gebäude 2010 von den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Borkum, beschafften sich Geld aus Fördertöpfen von Berlin, über Hannover bis Brüssel und aus gemeinnützigen Stiftungen (Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bingo Umweltstiftung) sowie von großzügigen privaten Spendern und ließen den Turm von mittelständischen Betrieben und (teils unentgeltlich arbeitenden) Fachleuten restaurieren. Seit 2014 steht er nun als ortsprägendes Bauwerk in alter Pracht mit wieder hergestelltem Turmkopf (Laterne) da. Das gesamte Mauerwerk, einschließlich der Fugen wurde erneuert, ebenso die historischen Gussfenster und die nach Original-Modellen angefertigten Holzkonsolen. Der Watertoorn Börkum e.V. hat sein gewaltiges Sanierungsprojekt damit erfolgreich abgeschlossen, aber nach wie vor ist das Gebäude ein „Wasserturm ohne Wasser“. Doch auch diesen Mangel wird der Verein beheben.

Das Wassermuseum im Wasserturm

Der Verein ist schon tatkräftig dabei, das Turminnere als Wassermuseum wiederzubeleben. Dabei geht es dem Verein nicht nur um eine museale Ausstellung von Exponaten, sondern auch und vor allem um ein Wasser-Erlebnis- und Bildungszentrum, dem B:WEB, in dem auf verschiedenste Art und Weise das Thema Wasser thematisiert und kommuniziert wird. Natürlich geht es in diesem Museum nicht um das Seewasser, das die Insel reichlich umfließt, sondern um das Wasser, dem der Turm einst diente: Trinkwasser. Als B:WEB macht der Wasserturm seinem Namen dann wieder alle Ehre.

Für den künftigen Betrieb werden innen in überprüfter Sicherheitstechnik Galerien und Treppen eingezogen, die den Blick auf den mächtigen Wassertank im Kopf des Turmes freilassen, denn der Wasserturm bietet nicht nur den Raum für das neue B:WEB, sondern er ist zugleich dessen höchst authentisches Hauptexponat.

Nach erfolgtem Ausbau des Turmes entsteht unten vor der Düne das vollständig barrierefreie Waterhuus. Es wird Museumseingangsbereich mit Seminarräumen, Wasserwerkstatt, in der experimentell das Thema Wasser „begreifbar“ und erfahrbar erlernt wird. Hier sind alle notwendigen Funktionsräume untergebracht. Das Waterhuus, soll zugleich Treffpunkt und Kernzelle der „Naturfreunde Borkum“ werden. Dies ist eine Gruppe interessierter Personen, die sich für die Natur auf unserer Insel engagieren möchten; sie ist eine Art lokale Dachorganisation, unter der Führung der Umweltbeauftragten der Stadt Borkum, unter Beteiligung u. a. von Mit-arbeitern der Niedersächsischen Nationalparkverwaltung, Nationalparkranger, des NABU, des Heimatvereins der Insel, des Freundeskreises Nordseeaquarium, des Watertoorn Börkum e.V., offen auch für alle nichtorganisierten Interessenten auf der Insel. Sie soll die Natur- und Umweltinteressen auf der Insel bündeln, in den Blick-punkt stellen und thematisieren.

Der Watertoorn und das Waterhuus bilden eine inhaltliche, methodische und didaktische Einheit.

Die Zielgruppe für das B:WEB

Willkommen sind Menschen jeden Alters. Einheimische wie Borkumreisende in Gruppen oder einzeln: Feriengäste, Tagesgäste (besonders auch aus den Niederlanden), Schulklassen auf Klassenfahrt, Gäste der größten Deutschen Jugendherberge und Feriengäste der verschiedenen Familien-Erholungshäuser, Belegschaften auf Betriebsausflügen, Tagungsgäste, Langzeitpatienten aus Borkumer Kliniken.

Auch Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung wird es möglich sei, die Angebote des B:WEB zu erleben. Den Turm, der sich nicht barrierefrei ausbauen lässt, können sie zwar nicht besteigen, aber über besondere Monitore, durch Kamerahelme und Mikrofone (Headset) mit ihren Begleitern verbunden, können sie vom Waterhuus aus alles im Turm durch deren Augen betrachten.

Engagierte Künstler werden einen B:WEB-Führer graphisch erarbeiten. Dieser soll es den Besuchern, besonders den jüngeren, leicht machen, sich in das Thema ein-zufinden. Weiterhin wird ein mehrsprachiger Audio-Guide zur Verfügung gestellt, der es auch sehbehinderten Menschen ermöglicht, aktiv das Angebot des B:WEB zu erleben.

Das B:WEB

Auf Borkum spielt das Wasser eine bedeutende Rolle und findet sich quasi überall: als Meer rund um die Insel, als Regen und Sturmflut, als wohltuende Thalasso-Therapie etc. Aber nicht das Meerwasser, sondern das Süßwasser auf der Insel und seine hervorragende Qualität bilden Anlass und Ausgangspunkt für die „Informationsreise“ durch das B:WEB.

Auf dieser Reise werden die Besucherinnen und Besucher – als „roter Faden“ der Ausstellung – von der Figur eines Regentropfens, auf Plattdeutsch „de Drüp“, begleitet, der seinen Weg aus dem Meer, dann als verdunstetes Element in den Wolken und schließlich als Niederschlag (Regen, Schnee) über den Boden, in die Wasserleitungen der Insel bis in die Abwasserkanäle und Kläranlagen beschreibt und dabei auch die Geschichte und die Besonderheiten der Trinkwasserversorgung auf der Insel Borkum sowie auf den ostfriesischen und niederländischen Nachbarinseln mit ihren Besonderheiten nachzeichnet.

Einleitung

Unser Reisebegleiter, der Regentropfen, stellt sich hier zunächst vor:

  • – Warum ist (Süß-)Wasser überhaupt wichtig für den Menschen?
  • – Welche Eigenschaften und Qualitäten besitzt es?
  • – Welche Eigenschaften hat das Borkumer Süßwasser und warum ist es so besonders gut?
  • – Gestaltungsidee: Installation mit „Schau“-Flaschen mit ungefiltertem Brunnenwasser, Brackwasser, Meerwasser, fauligem Wasser, Wattwasser, Trinkwasser

Die Ebenen und Bereiche innerhalb des B:WEB wird der „Drüp“ mit dem Besucher begehen.

 

Bereich 1: Grundwissen zum Wasser

  • – Physikalische und chemische Eigenschaften
  •  – Bestandteile (H2O)
  •  – Lösungseigenschaften
  •  – Aggregatzustände: fest, flüssig, dampfförmig
  •  – Kapillarwirkung
  •  – Oberflächenspannung
  •  – Wassertropfenspiel (Wie viele Wassertropfen gehen auf einen Liter Wasser?)
  •  –  Hochgeschwindigkeitsbilder von Wassertropfen

 

Bereich 2: Wasser als weltweite Ressource

  • – Wasser als lebensnotwendiger Stoff für alle Lebewesen
  • – Wasserkreislauf (Meer, Verdunstung, Wolke, Niederschlag, Boden, Grundwasser, Wasserleitung, Gebrauch, Abwasserkanal, Kläranlage, Aufbereitung, Trinkwasser)
  • – Niederschlagsarten, Dunst, Regenbogen
  • – Klimaeinwirkungen auf den Wasserhaushalt der Erde
  • – Klimawandel und Grundwassersysteme
  • – Grundwassermodel und Simulation
  • – Steter Wechsel: Die Entwicklung des Klimas im Verlauf der Erdgeschichte
  • – Niederschlag als Lebensader der Menschheit
  • – Wie bildet sich Grundwasser neu? Was und wo sind die Gefährdungspotentiale?
  • – Auswirkungen
  • – Global ungleiche Verteilung (Wasserknappheit – Wasserüberschuss)
  • – Wasserrechte und Grundrechte der Menschen auf Zugang zu reinem Wasser
  • – Ökologisch, wirtschaftlich und sozial verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser
  • – Wasserproduktivität (Wasser und Landwirtschaft – Wasser und Industrie)
  • – Wassergüte (Qualität)
  • – Wasserverschmutzung (aktuelle Probleme z.B. Überdüngung durch Gülle, Medikamentenrückstände im Abwasser)
  • – Gewässerschutz
  • – Trinkwasserversorgung und Abwassersysteme
  • – Hygiene und Gesundheit
  • – Demografischer Übergang (Wasserarmut und-Verschmutzung und Kindersterblichkeit)
  • – Perspektive: Europa und Länder mit hohem Bevölkerungswachstum.

 

Bereich 3: Wasserbewirtschaftung auf Borkum einst und jetzt

  • – Wasservorrat auf Borkum, Lageplan, Größe und Schnitte der Süßwasserlinsen
  • – Hydrostatisches Zusammenspiel zwischen Süßwasserlinse und dem umgebenden Salz- und Brackwasser
  • – Wasserwippe zur Demonstration der Süßwasserlinse und der Glyben-Herzberg-Beziehung
  • – Örtliche Wassergewinnung und –speicherung einst und jetzt
  • – Regenwasserzisternen, Trinkwasserbrunnen
  • –  Frühere Abwasserbehandlung: Entsorgung in hauseigenen Gruben, Abwasserleitung ins Watt
  • – Wasserbewirtschaftung auf der Insel heute: Wasserschutzgebiete, Wassergewinnung, Speicherung, Wassergüte, Verbrauch, Entwässerung, Abwasserleitungsnetz, Trennsystem in   Kläranlage, vollbiologische Reinigung
  • – Wasserwerk

Bereich 4: Wasserturm

Notwendigkeit: Bevölkerungswachstum und Tourismus (u.a. mehrstöckige Hotelbauten) erforderten eine zentrale Wasserversorgung mit ausreichendem Leitungsdruck. Diesen erzeugte der 29 m hohe Wasserturm (zudem auf einer 10 Meter hohen Düne errichtet) seit 1900 gut 70 Jahre lang. Für den weiter steigenden Trinkwasserbedarf reichte dieser Wasserdruck jedoch nicht mehr aus und der Turm wurde in den 1970er Jahren stillgelegt.

Funktion: Trinkwasser wurde in den Tank oben im Turm gepumpt und gelangte unter hydrostatischem Druck in das Leitungssystem und in die Wasserhähne (jahrzehntelang auch bis in die oberen Etagen), nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren.

Architektur: neoromanischer Backsteinbau (schon zur Bauzeit stilistisch nicht mehr zeitgemäß, sondern bewusst historisierend), ausgefeilte Statik und Baukonstruktion, Hängeboden-Wasserbehälter (Tank). Bauzeichnungen, Fotos alt und neu.

 

Bereich 5: Wasserabhängige Lebensräume auf Borkum

Der Wasserturm bietet oben einen wunderbaren und zugleich informativen Ausblick auf die Insel mit ihren Wasserschutzgebieten und gut voreinander unterscheidbaren wassergeprägten Landschaftszonen: Strand, Weiß-, Braun-, Graudünen, Wiesen, Bruchwald, Heide, Salzwiesen, Watt und Stadt.

  • – Klimawandel und Auswirkung am Beispiel des EU Projektes CLIWAT (Clima + Water)
  • – Grundwasser im Küstenbereich
  • – Die Bedeutung der „Barriere-Inseln“ vor der Küste

 

Bereich 6: Vom Abfluss bis in die Kläranlage (Entsorgung der Abwässer):

Die Reise von „de Drüp“ endet nicht in den Waschbecken, Duschen und Toiletten der Wohnungen und Hotels. Während es früher in die Sickergruben oder direkt ins Watt weiterging, landet „de Drüp“ heute durch die Abwasserleitungen in den Becken des Klärwerks, wo er wieder gereinigt wird.

  • – Historische Abwasserbehandlung: Bis 1894 Entsorgung in hauseigene Gruben, danach erste Abwasserleitung ins Watt, ab 1900 stufenweiser Ausbau des Abwassernetzes, seit den 1960er Jahren Einführung des Trennsystems.
  • – Behandlung der Abwässer: Von der direkten Ableitung ins Watt über den Bau der Kläranlage bis zur heutigen vollbiologischen Reinigung.
  • – Zurück in den weltweiten Wasserkreislauf: Durch die Rückkehr von „de Drüp“ ins Meer schließt sich für ihn der weltweite Wasserkreislauf und seine Reise beginnt von vorn. Ebenso schließt sich auch der Kreislauf der Borkumer Trinkwasserversorgung, der der Insel eine autarke Versorgung beschert:
  • – Fortsetzung des weltweiten Wasserkreislaufs
  • – Autarkie der Borkumer Trinkwasserversorgung

 

Bereich 7: Außenbereich

Draußen auf dem Gelände vor dem Wasserturm werden Stationen geschaffen, in denen nicht nur Kinder das Element Wasser und seine Eigenschaften spielerisch erforschen und „begreifen“ können, z.B.

  • – Oberflächenspannung in bogen- oder glockenförmigen Wasserstrahlen
  • – Wasserspringschale
  • – Künstlerische Objekte mit Bewegung, veranlasst durch fließendes Wasser
  • – Einrichtung eines betriebsfähigen klassischen Borkumer Brunnens (Pütte) und Zisterne (Regenbacke)
  • – Wasserkraft (Dynamo mit LED)
  • – Exponate der Borkumer Wasserversorgung (Stellglieder aus dem Leitungsnetz, Brunnenkomponenten) u.a.m. o Installation zur Vermittlung und Demonstration verschiedener Aggregatzustände des Wassers: Flüssig (Regen, Niesel), fest (Schnee, Eis), Nebel, Dunst.
  • – Dabei soll es sich nicht um nur „anschaubare“ Exponate gehen, sondern Gegenstände, die „begriffen werden“ und erlebt werden können.

 

Die Ausstellungen im B:WEB

Um das B:WEB langfristig für Einheimische wie für die vielen Stammgäste attraktiv zu erhalten, ergänzen Wechselausstellungen im Waterhuus das permanente Kernangebot.

Projekte

Alle Ausstellungsthemen und weitere, die sich im Laufe der Zeit ergeben werden, können, unterstützt vom B:WEB, in Absprache mit Lehrkräften von hiesigen Schulen, aus der Jugendherberge, den verschiedenen Freizeit- und Erholungsheimen, oder vom Festland zur Projektarbeit von Schülern und Schülerinnen erarbeitet werden, wobei aktuelle Ereignisse und Entwicklungen einfließen.

Watertoorndag

In der Hochsaison gestalten ehrenamtliche Vereinsmitglieder, unterstützt von vielen Borkumern und Borkumerinnen, den Watertoorndag als ganztägiges Fest auf der Straße und den Plätzen rund um den Wasserturm. Da gibt es – häufig auf den Turm bezogene – Bühnenshows aller Art mit Spielen, Musik, Essen und Trinken. Die bisher durchgeführten Watertoorntage haben als Publikumsmagneten Jung und Alt, Einheimische wie Gäste angezogen und dem Verein Spendeneinnahmen zur Wahrnehmung und Finanzierung seiner Aufgaben beschert.

 

Die Ziele des Wassermuseums

Der Watertoorn Börkum e.V. will mit der Ausstellung anschaulich, begreiflich und einprägsam:

  • – Kenntnisse über die Ressource Wasser verschaffen,
  • – den kausalen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Veränderung der Trinkwassersituation auf der Erde darstellen,
  • – den Wert der Ressource Wasser als lebenswichtiges, unersetzbares Gut vermitteln,
  • – für einen schonenden Umgang mit diesem kostbaren Gut werben,
  • – weltweite Zusammenhänge von Wasserarmut mit Hungersnot, Krieg und Flucht aufzeigen,
  • – und für die Bedrohung der sauberen Ressource Wasser bei uns und andernorts sensibilisieren.

Der Watertoorn Börkum e.V.

Mit dem Ziel, den Turm als ortsprägendes Baudenkmal zu erhalten und der Öffentlichkeit als Wassermuseum zugänglich zu machen, schlossen sich engagierte Borkumerinnen und Borkumer 2007 im gemeinnützigen Verein Watertoorn Börkum e.V. zusammen und widmen sich seitdem dessen Sanierung und Ausbau.